Digitalisiertes Kulturerbe - Präsentation und Zugang durch Innovation

Mit dem Projekt „Digitalisiertes Kulturerbe: Präsentation und Zugang durch Innovation“ wurde die digitale Bibliothek des Digitalen Forums Mittel- und Osteuropa e. V. (DiFMOE) in wesentlichen Bereichen weiterentwickelt. Im Mittelpunkt standen die Erneuerung der technischen Infrastruktur, die Integration neuer Quellenbestände sowie die Erweiterung der Recherchemöglichkeiten durch die Georeferenzierung historischer Bilddokumente. Das Vorhaben verband technische Modernisierung, bibliothekarische Erschließung und die Kooperation mit Partnerinstitutionen; damit verbesserte es die Voraussetzungen für Recherche, Nutzung und den weiteren Bestandsausbau.

 

Technische Infrastruktur

 

Ein wesentlicher Bestandteil des Projekts war das Upgrade der Digitalen Bibliothek von Kramerius 5 auf Kramerius 7. Damit verbunden waren umfangreiche Arbeiten an der Systemumgebung, die weit über einen bloßen Versionswechsel hinausgingen.

 

Hierzu zählten die Installation und Konfiguration der neuen Infrastruktur sowie die Migration und Umwandlung des Gesamtbestands von mehr als 2,43 Millionen Digitalisaten. Zugleich wurden benutzerdefinierte Komponenten an die neue Version angepasst. Dies betraf insbesondere den Administrationsbereich mit Frontend- und Backendfunktionen, die Prozesssteuerung, Statistikmodulen, Erweiterungen und die Authentifizierung.

 

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf den Verarbeitungsprozessen für periodische Publikationen, insbesondere auf deren Import in die neue Systemumgebung. Hinzu kamen das Refactoring älterer Eigenentwicklungen sowie die Aktualisierung von Frameworks und Bibliotheken, um die Wartbarkeit des Systems zu sichern und künftige Anpassungen zu erleichtern. Während des gesamten Projektverlaufs wurden bestehende wie neu entwickelte Funktionen fortlaufend im praktischen Arbeitsbetrieb validiert. Mit dem Abschluss dieser Arbeiten steht DiFMOE eine grundlegend modernisierte technische Infrastruktur zur Verfügung, die den laufenden Betrieb sichert und eine verlässliche Grundlage für die weitere Entwicklung bildet.

 

Digitalisierung und Integration karpatendeutscher Bestände sowie deutschsprachiger Judaika aus der (heutigen) Slowakei

 

Ein zweiter Schwerpunkt galt dem Ausbau des Bestands an Quellen zur Geschichte der Deutschen in der heutigen Slowakei sowie zur deutschsprachigen jüdischer Überlieferung aus demselben Raum. Gemeinsam mit Partnerinstitutionen wurden einschlägige Materialien ausgewählt, digitalisiert, erschlossen und in die Digitale Bibliothek integriert.

 

Karpatendeutsche Bestände

 

Zusammen mit dem Karpatendeutschen Kulturwerk wurde eine Prioritätenliste relevanter Quellen erarbeitet. Ausgangspunkt war die frühere Dauerausstellung des inzwischen aufgelösten Museums der Karpatendeutschen in Karlsruhe. Auf dieser Grundlage entstand in der Digitalen Bibliothek die Sammlung „Schätze des Karpatendeutschen Kulturwerks“. Sie vereint städtische Amts- und Geschichtsquellen, Zunftüberlieferungen, religiöse Drucke, Musikalien, Vereins- und Veranstaltungsdrucksachen sowie landes- und ortsgeschichtliche Literatur.

 

Zu den integrierten Objekten zählen etwa das Kremnitzer Stadtbuch aus dem frühen 15. Jahrhundert, die Geschichte St. Georgens von 1654, die Chronik der Metzgerzunft von Leutschau, Zunftbriefe und -satzungen verschiedener Handwerke, Gesang- und Notendrucke, Festschriften, Programme sowie weitere Veröffentlichungen zur Geschichte deutscher Gemeinden im historischen Oberungarn. Hinzu kamen Jahrgänge der Pressburger Tageszeitung „Grenzbote. Deutsches Tagblatt für die Karpatenländer“ aus der Bibliothek des Leibniz-Instituts für Ost- und Südosteuropaforschung, deren Onlinestellung einen wichtigen pressegeschichtlichen Bestand zur deutschen Öffentlichkeit in der damaligen Slowakei während des Zweiten Weltkriegs ergänzt.

 

Erweitert wurde zudem die Sammlung des Pressburger Fotografen Viktor Benesch, deren neue Inhalte durch das Slowakische Nationalmuseum – Museum der Kultur der Karpatendeutschen zur Verfügung gestellt wurden. Wo sinnvoll und möglich, erfolgte zudem eine Georeferenzierung der Bildquellen.

 

Deutschsprachige Judaika aus der Slowakei

 

Zu diesem Projektteil gehörte die Einbindung von Judaika aus dem Bestand der National Library of Israel. Der Fokus lag auf handschriftlichen Quellen des 19. Jahrhunderts, insbesondere auf Korrespondenzen aus Pressburg mit Empfängern in verschiedenen Orten des damaligen Königreichs Ungarn. Hinzu kamen Unterlagen jüdischer Gemeinden, darunter Eingaben und Schreiben aus dem frühen 19. Jahrhundert, späteres Gemeindeschriftgut sowie einzelne Drucke und Karten. Die Quellen dokumentieren Kommunikations- und Beziehungsnetze zwischen Gemeinden, Rabbinaten, Kaufleuten und Privatpersonen. Zugleich belegen sie die Bedeutung des Deutschen als Schrift- und Verkehrssprache innerhalb jüdischer Lebenswelten der Region.

 

Sammlung Gottschee

 

Ein weiterer Projektbereich galt der Integration von Bildbeständen zur historischen Region Gottschee aus dem Bestand des Instituts für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas (IKGS) an der LMU München. Dabei handelte es sich um Fotografien und Ansichtskarten, die im Rahmen der Zusammenarbeit übernommen wurden. Das Arbeitspaket umfasste die Übernahme physischer und digital vorliegender Vorlagen, die Digitalisierung analoger Objekte sowie die Einbindung der Digitalisate samt beschreibender Metadaten.

 

Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der Georeferenzierung: Zahlreiche historische Aufnahmen der Region wurden lokalisiert, mit Koordinaten versehen und dadurch über die Kartenfunktion recherchierbar gemacht. Auf dieser Grundlage entstand die eigenständige Sammlung „Gottschee“, in der die Bilder als geschlossene Einheit zugänglich sind.

 

Retrospektive Georeferenzierung

 

Neben neu integrierten Sammlungen widmete sich das Projekt dem bereits vorhandenen Bildmaterial. Seit 2012 hat DiFMOE im Rahmen verschiedener Stadt- und Regionalsammlungen zahlreiche historische Fotografien und Ansichtskarten online zugänglich gemacht, darunter Bestände zu Kaschau/Košice, Riga/Rīga, Pilsen/Plzeň, Breslau/Wrocław, Pressburg/Bratislava, Brünn/Brno und Temesvar/Timișoara.

 

Die kartenbasierte Suche ermöglicht die Recherche dieser Dokumente über geografische Koordinaten. Im Projektverlauf wurden weitere Objekte aus diesen älteren Sammlungen nachträglich georeferenziert und damit konsequent in die Kartenrecherche einbezogen. Grundlage dieser Arbeiten waren digitale Kartenwerkzeuge, historische Karten, wissenschaftliche Literatur, lokalhistorische Ressourcen sowie Hinweise aus dem Partnernetzwerk. Diese Erschließung erweitert die Nutzbarkeit des Materials für die Forschung und die interessierte Öffentlichkeit nachhaltig.

 

Kooperationen und Förderung

 

Das Projekt wurde in enger Zusammenarbeit mit zahlreichen Partnerinstitutionen realisiert. Im Bereich der technischen Infrastruktur waren insbesondere die Mährische Landesbibliothek und die Martin-Opitz-Bibliothek beteiligt. Am Ausbau der Sammlungen wirkten das Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas an der LMU München, das Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung, die National Library of Israel, das Karpatendeutsche Kulturwerk sowie das Slowakische Nationalmuseum – Museum der Kultur der Karpatendeutschen mit.

 

Gefördert wurde das Projekt „Digitalisiertes Kulturerbe: Präsentation und Zugang durch Innovation“ durch das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales.