Projekte

In den ersten Jahren war das digitale Forum Mittel- und Osteuropa noch ganz auf die Digitalisierung historischer deutschsprachiger Periodika (vor allem Zeitungen und Zeitschriften) des östlichen Europas ausgerichtet. Das allererste der Teilprojekte beschäftigte sich in diesem Sinne mit der in Käsmark/Kesmark (Kežmarok) zwischen 1880 und 1942 herausgegebenen Karpathen-Post. Finanziert wurde die Unternehmung vom Haus des Deutschen Ostens in München und der Karpatendeutschen Landsmannschaft in Bayern, die Originalvorlagen wurden von der Martin-Opitz-Bibliothek Herne aus dem Nachlass der Verlegerfamilie Sauter zur Verfügung gestellt. Das Volumen umfasste ca. 18.000 Seiten, die in ihrer digitalen Form volltextdurchsuchbar und mittels einer von der Firma Pixelprint (München) entwickelten Kalenderfunktion auf der ersten Webplattform des Digitalen Forums, der Vorgängerin der heutigen Digitalen Bibliothek, nutzerfreundlich einsehbar waren. 

 

Aus einer noch zuvor erfolgten Antragstellung bei der bayerisch-slowakischen Regierungskommission entwickelte sich parallel dazu das quantitativ weitaus umfangreichere Teilprojekt "Preßburger Zeitung" (1764-1929, wechselnde Titel). Dies gilt sowohl für den wesentlich größeren Umfang in Bezug auf die zu digitalisierenden Seiten (Mutterblatt und Beilagen kommen zusammen auf über 300.000 Seiten), als auch für die gestiegene Zahl der involvierten Kooperationspartner: Die Originalvorlagen kamen nun vom Stadtarchiv Bratislava und der Ungarischen Nationalbibliothek (OSZK) in ungefähr gleichen Teilen. Die OSZK digitalisierte die eigenen Bestände vor Ort während diejenigen des Stadtarchivs an die Universitätsbibliothek Bratislava (UKB) zum Scannen übergeben wurden. Die digitalen Roh-Images wurden am Schluss zwischen beiden Bibliotheken ausgetauscht und der dann zusammengeführte Bestand dem DiFMOE e.V. zur Weiterverarbeitung und Onlinestellung zur Verfügung gestellt. Die Komplettierung dieses prominenten Blattes dauert bis heute an und wurde kürzlich zusammen mit der Österreichischen Nationalbibliothek und der Landesbibliothek des Burgenlandes fortgesetzt.

 

Ein ähnlich umfangreiches Projekt wurde in zwei Teilen zwischen Ende 2009 und Anfang 2011 in Kooperation mit der Mährischen Landesbibliothek in Brünn durchgeführt. Dieses Mal galt das Interesse der zu seiner Zeit einflussreichsten deutschsprachigen Tageszeitung in Mähren – dem Brünner Tagesboten (1850-1944, wechselnde Titel). Möglich gemacht wurde das Vorhaben durch Kofinanzierungen seitens des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) und des Kulturministeriums der Tschechischen Republik. Verarbeitet wurden dabei Mikroformvorlagen aus den Beständen der Mährischen Landesbibliothek, wobei im Kontext der Digitalisierungsaktivitäten eine Arbeitsteilung zwischen beiden Partnern stattfand.

 

Ein weiteres „BKM-Projekt“ zum Thema „Deutschsprachige Periodika aus Mittel- und Osteuropa“ wurde im Jahr 2011 von unserem Kooperationspartner IOS (Institut für Ost- und Südosteuropaforschung – damals noch Südost-Institut) in Regensburg initiiert. Es wurden ausgewählte Bestände deutschsprachiger Periodika des 19. und frühen 20. Jahrhunderts aus der Bibliothek des Südost-Instituts und zahlreicher Partnerbibliotheken durch die Universitätsbibliothek Regensburg (UBR) digitalisiert, die Inhalte mittels Texterkennung durchsuchbar gemacht und die Digitalisate schließlich auf der Webseite des Digitalen Forums zur freien Nutzung online gestellt. Mit Abschluss des Projekts standen weitere 95.000 Zeitungsseiten als Quellen zur Geschichte der Deutschen in Mittel- und Osteuropa zur Verfügung.

 

Das in Bezug auf Umfang in vielerlei Sicht – Finanzrahmen, digitalisierte Seiten, Zahl der kooperierenden Einrichtungen und deren Ursprungsländer, Vielfalt der Quellensorten etc. – bis dato größte Eigenprojekt mit dem Digitalen Forum als Projektträger wurde ebenfalls im Jahr 2012 begonnen und im Frühjahr 2013 abgeschlossen: Die Cassovia Digitalis. Die mit Cassovia Digitalis (Kaschau 2013) begonnene und dann jährlich mit Riga Digitalis (Riga 2014), Pilsna Digitalis (Pilsen 2015) und Wratislavia Digitalis (Breslau 2016) fortgesetzte Reihe der digitalen Bibliotheken der Kulturhauptstädte des östlichen Europa, sollte gleichzeitig auch die oben beschriebene ausschließliche Ausrichtung auf die Digitalisierung periodischer Werke modifizieren. Hier wurde nun mittels thematischer Bündelung, räumlicher Eingrenzung und beabsichtigter Beschränkung in Bezug auf Volumina und kategorische Vielfalt der ausgewählten Objekte aus der Publikationsgeschichte der jeweiligen Kulturhauptstadt eine Übersichtlichkeit an Materialien erzielt, die vor allem auch ein historisch interessiertes Laienpublikum für das geschaffene Angebot interessieren sollte. Eine ansprechende themen- und anlassgerechte Gestaltung des Layouts der separaten Onlineauftritte sollte die Attraktivität weiter erhöhen. Diese spezielle Art der Aufbereitung historischer Originalquellen, zusammen mit dem „Zugpferd“ Kulturhauptstadt, schaffte eine sehr hohe und für „Nischenprojekte“ eher unübliche mediale und öffentliche Aufmerksamkeit. Auch was die Veranstaltungen resp. Projektpräsentationen betrifft, bot der Kulturhauptstadtstatus ein ideales Umfeld, innerhalb dessen wiederum Synergien effektiv genutzt werden konnten. Besonders konstruktiv gestaltete sich hierbei im Kontext der Öffentlichkeitsarbeit, sprich: Präsentation der Projektergebnisse, die enge Zusammenarbeit mit dem Deutschen Kulturforum östliches Europa in Potsdam und den örtlichen Goethe-Instituten bzw. ihren jeweiligen Kulturhauptstadtaktivitäten. Eine besondere Art der synergetischen Nutzung fand außerdem zum ersten Mal im Rahmen der Riga Digitalis statt: Durch die Digitalisierung des uns in Deutschland von unseren Partnereinrichtungen zur Verfügung gestellten Materials und den Tausch der Digitalisate mit der Lettischen Nationalbibliothek erhielten beide Partner bei gleich bleibendem Budget 100.000 Seiten wertvollen Kulturguts zusätzlich. Ähnliche Tauschprojekte konnten in der jüngsten Vergangenheit außerdem mit der Mährischen Landesbibliothek in Brünn und der Österreichischen Nationalbibliothek durchgeführt werden und sind auch für laufende und zukünftige Unternehmungen angedacht.

 

Apropos Budget: Das Digitale Forum Mittel- und Osteuropa verfügt über kein eigenes Vereinsvermögen und ist deswegen bei der Durchführung seiner Projekte auf die Finanzierung durch Spenden und Drittmittelgeber angewiesen. Hauptförderin in diesem Sinn ist die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) auf Basis des §96 des Bundesvertriebenengesetzes. Bestimmte Unternehmungen wurden darüber hinaus vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales, dem Goethe-Institut Bratislava, dem Karpatendeutschen Kulturwerk (Karlsruhe), dem Karpatendeutschen Verein in der Slowakei und dem Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas (München) kofinanziert. Ohne diese Zuwendungen wären die Realisierungen der Kulturhauptstadtprojekte ebenso wenig möglich gewesen, wie die nach ähnlichem Muster danach konzipierte Brünner Sammlung, welche an die ebenfalls von der BKM geförderte Digitalisierung des Brünner Tagesboten aus den Jahren 2009-2012 anknüpft, weitere Brünner Periodika erschließt, gleichzeitig den diesbezüglichen digitalen Fundus aber auch auf zusätzliche Objektkategorien erweitert. Parallel dazu fand im Rahmen des gleichen Projektes eine komplette Erneuerung der digitalen Bibliotheksinfrastruktur statt, in die alle bisherigen, laufenden und zukünftigen Projektinhalte, sprich: Digitalisate, zusammengeführt wurden und werden. Im April 2018  startete außerdem die Pressburger Sammlung, welche ihrerseits an das erste Groß- und Langzeitprojekt des Vereins, "Digitalisierung der Preßburger Zeitung und ihrer Beilagen" anknüpfte und dieses auch dort, wo es möglich war, weiter komplettierte. Abschlossen wurde sie im Frühjahr 2019, ist aber, wie alle anderen Sammlungen, jederzeit erweiterbar. 

 

In besonderem Maße auf permanente Erweiterung angelegt ist die Sammlung "Jüdische Kultur und Geschichte im östlichen Europa", deren Entstehung auf der Zusammenlegung der digitalen Ergebnisse zweier BKM-geförderter Judaica-Projekte des Instituts für Ost- und Südosteuropaforschung (IOS, Regensburg) basiert. Zum einen sind dies 26 jüdische Periodika aus dem östlichen Europa und zum anderen eine Bildersammlung, welche aus Illustrationen und Fotografien jener Zeitungen und Zeitschriften erstellt wurde. Weiter angereichert wurde dieser Grundstock mit thematisch relevanten Dokumenten der bereits bestehenden Kollektionen bzw. des existierenden Gesamtbestandes der Digitalen Bibliothek. Einen deutlichen Zuwachs erfuhr die Sammlung mit Durchführung des im Mai 2019 begonnenen und Mitte 2020 abgeschlossenen Projektes "Jüdisch-Deutsche Bukowina 1918+", dessen Inhalte sowohl als Teil der übergeordneten, als auch als separate Themensammlung abrufbar sind.